Keine Angst, ich will mich den scheinbar nicht enden wollenden Berichten um den vergangenen Freitag, nach monatelanger Verbissenheit, zurückgetretenen Bundespräsidenten a.D. Herrn Christian Wulff nicht anschließen. Viel mehr sehe ich in der Debatte mittlerweile reichlich Stoff, für all die “Experten”, die bei jeder Gelegenheit darauf hinweisen, dass das Internet nichts vergisst und man sich darin entsprechend bewegen sollte.
Ein Beispiel? Nehmen wir mal den Ehrensold – quasi das Pensionsgeld des Bundespräsidenten – in Höhe von schlappen 199.000 Euro im Jahr – bis ans Lebensende wohlgemerkt. Angeblich würde es einem vorzeitig aus dem Amt scheidenden Bundespräsidenten nur dann zustehen, wenn sein Rücktritt aus politischen oder gesundheitlichen Gründen erfolgte. Ob er ihn nun bekommt oder nicht, entscheidet letztlich die Bundesregierung.
Herr Wulff, Berichten der letzten Wochen zufolge, kein Kind von Traurigkeit, wenn es darum geht aus gewissen Situationen den besten Nutzen für sich zu ziehen, formulierte seine “Rücktrittsrede” natürlich auch dementsprechend. So das es, trotz derzeitiger Diskussionen, wohl nur wenig Grund gibt daran zu zweifeln, das er seinen Sold auch bekommt.
Um aber auf das Thema “Internet” und “Vergessen” zurück zu kommen… Vielleicht macht ihm nämlich auch ein noch vor seinem Amtsantritt gegebenes Interview, in dem er selbst für eine “Überarbeitung”, bzw. die Kürzung des Solds plädierte, einen Strich durch die Rechnung.
Gleiches gilt bei der Suche nach einem Nachfolger. Medienberichten zufolge wäre der aussichtsreichste Kandidat der Ex-DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck. Angeblich wäre er bei der “Netzgemeinde” allerdings nicht gerne gesehen.
Ein Grund dafür: Gauck hatte sich abfällig über die kapitalismuskritische Occupy-Bewegung geäußert und in einem früheren Interview dem Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin Mut attestiert, als der mit strittigen Äußerungen zur Zuwanderung im Feuer der Kritik stand.
Wer will kann das Netz durchwühlen, um nach diesen Geschichten zu suchen. Da sie zur Zeit ihrer Aktualität jedoch ausgiebig in bspw. sozialen Netzwerken diskutiert werden, erübrigt sich dies wohl für viele. Ich bin nun kein Analyst, noch nicht übermäßig begabt, diese Situation mit den schönsten Wortschöpfungen und Redewendungen zu umschreiben, aber wie das Internet heutzutage unser Tun und Machen beeinflusst, ist schon interessant zu sehen. Jeder der will, kann im Internet nachschlagen, was bestimmte Menschen vor einer bestimmten Zeit getan, gesagt oder gedacht haben und dies mit dem jetzigen machen und tun abgleichen.
Ich hoffe ja inständig, das dies irgendwann mal zu einer ehrlicheren Welt beitragen wird. Keine Lügen, keine Korruption, gesagt ist gesagt. So war es und so bleibt es! Aber schauen wir mal erst mal was sich unsere Regierung da zusammen dichtet. Schließlich rechnet unser Finanzminister in ganz anderen Dimensionen. Da machen die knapp 200.000 Euro für Wulff den Braten ja nun auch nicht mehr Fett.

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