Bereits gestern sorgte die Ankündigung des beliebten Microblogging-Dienstes, künftig einzelne Nachrichten (Tweets) auf verlangen eine Regierung quasi länderspezifisch löschen zu wollen, für einen Sturm der Entrüstung im Netz. Zwar versprach man, in diesem Zusammenhang, größtmögliche Transparenz, doch den Vorwurf der Zensur muss sich das Unternehmen dennoch gefallen lassen.

Befürchtung: Nicht nur, aber gerade in autoritären Regimen würde das Recht auf freie Meinungsäußerung weiter eingeschränkt. Protestbewegungen, wie wir sie im letzten Jahr in der arabischen Welt erlebt haben, wären faktisch gar nicht mehr möglich. Alles was den jeweiligen Regierungen nicht gefällt wird zur Löschung frei gegeben.

Allerdings sollte man bei aller Kritik bedenken, dass das Unternehmen – eigenen Angaben zufolge – nicht eigenmächtig handeln und grundlos irgendwelche Tweets löschen wird.

 ”Wir werden nur antworten, wenn ein gültiges juristisches Ersuchen vorliegt”

zitierte Zeit Online z.B. die Aussage eines Twitter-Sprechers gegenüber dem US-Blog Techradar.

Nutzer in Ländern mit eingeschränkter Meinungsfreiheit können angesichts der Aussagen Twitters wohl vorerst beruhigt sein: Zwar ermöglicht der Dienst die Zensur von Inhalten, doch wenn tatsächlich für jeden einzelnen Tweet eine juristische Anfrage vorliegen muss, wäre eine flächendeckende Kontrolle durch autokratische Regime allein angesichts der Masse der Tweets kaum möglich.

Nichts desto trotz kündigte man für den heutigen Samstag (28.01.12) ein Boykott des Dienstes an, bei dem zahlreiche Twitter-Nutzer angeblich “keinen einzigen Tweet” auf der Plattform schreiben wollen.

Ich persönlich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite sind auch nur im Ansatz erkennbare Zensurvorhaben im Netz immer eine heikle Sache und das ist auch gut so. Auf der anderen Seite geht die Initiative nicht von Twitter aus. Auch wenn man spekuliert, dass diese Maßnahme in Hinblick auf ein vordringen in den chinesischen Markt bzw. bereits getätigte Investitionen einer eher autoritären Regierung erfolgte.

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