Dann bleibt hier erst mal alles stehen und liegen. Der Bundestag verschiebt wichtige Debatten und Entscheidungen für eine – rückblickend für viele wohl enttäuschende – Rede des Papstes, Bundeskanzlerin Angela Merkel scheint stets bemüht ihm auf all seinen Wegen in Deutschland zu folgen und überhaupt schien es für viele Medien – in den letzten Tagen – nur ein Thema zu geben. Der Papst ist “auf Visite” in Deutschland!
Mittlerweile steht er wieder kurz vor der Abreise und obwohl sich bereits an seinem ersten Tag in Deutschland Widerstand gegen den “heiligen Vater” bzw. die Ansichten der katholischen Kirche regte und man vielerorts versuchte diesen plausibel zu begründen, habe ich mich bislang zu diesem Thema zurück gehalten. Es auch eigentlich gar nicht bis ins Detail verfolgt. Abgesehen von den Freizeitaktivitäten des Papstes und Berichte über dessen Heimat, während seiner Abwesenheit. Auch die Vermutung er würde das Kondomverbot in der katholischen Kirche lockern, klang anfangs sehr interessant, aber da wären wir auch schon wieder bei der “enttäuschenden Rede”, denn dies wurde bislang ebenso wenig angesprochen, wie die Zusammenführung der evangelischen und katholischen Kirche oder auch das viel kritisierte Zölibat.
Dennoch fühle ich mich, durch die, seit dem vergangenen Donnerstag – dem ersten Auftritt des Papstes – andauernden Berichterstattungen über jeden Schritt, jede Aufforderung, jeden Gedankengang etc. des “Pontifex” doch noch zu ein paar eigenen Worten genötigt, die vielleicht nicht jedem gefallen werden, aber ganz einfach meine Meinung darstellen, in keinster Weise als Angriff auf die Religionsfreiheit verstanden werden sollten, aber im Endeffekt einfach raus müssen!
Genau genommen bin ich nämlich selbst in einer recht streng gläubigen Familie aufgewachsen. Zumindest in meiner Verwandtschaft sieht man das Thema Kirche doch durchweg recht verbissen. Das ist nicht schlimm und jeder hat das Recht zu tun, was er für richtig hält. Im Zusammenhang mit dem Papstbesuch drängt sich mir nur ein ganz großer Eindruck auf: es wird Wasser gepredigt und Wein (in Massen) getrunken! In der Bibel stehen so schöne Gebote wie “du sollst nicht Lügen” oder auch “du sollst nicht falsch’ Zeugnis reden”. Ich denke ein Verweis auf die im letzten Jahr bekannt gewordenen und über Jahre vertuschten Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sollten reichen um zu verdeutlichen was ich meine. Vor allem wenn man bedenkt, das der jetzige Papst zu Zeiten seiner Amtszeit als Kardinal Joseph Ratzinger bereits vor rund 20 Jahren von diesen wusste.
Anlässlich seines aktuellen Besuchs, hätte dieser natürlich auch mit besagten Opfern gesprochen, ihnen zugehört, Mut gemacht und sich entschuldigt. Bei so viel Nächstenliebe wäre es doch schon fast unfair zu betonen, das die “Opfer” im Vorfeld Handverlesen wurden um evtl. aufkommende Kritik von vornherein ausschließen zu können.
Und überhaupt, wo ich gerade die 10 Gebote ansprach: lautet das oberste Gebot nicht “du sollst keine anderen Götter haben, neben mir”? Nun frage ich mich allerdings, ist der Papst nicht quasi der “Gott auf Erden”? Die ganze Welt sagt “hüh”… aber er sagt “hot” und am Ende zählt das Wort des “heiligen Stuhls”.
Nach seiner Auffassung wäre die Kirche praktisch das Bindeglied zwischen Gläubigen und Gott. Das würde allerdings auch bedeuten, das Menschen, die keinen “Vermittler” brauchen ebenfalls anerkannte Christen sind. In der Praxis sind sie es aber zumeist nicht. Wer keine Kirchensteuer zahlt, gehört nicht dazu und aus! Vielleicht liegt es an meinem allgemeinen – eher negativem – Weltbild aber für mich ist die Kirche schon seit langem gestorben. Ich war schon das ein oder andere Mal in einer Situation, in der ich Gott um Hilfe bat, aber einen Vermittler, der mir die tollsten Geschichten erzählt und selbst verlogen daher kommt, brauche ich nicht.

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