Barrierefreiheit ist ein großes Wort und in Deutschland längst nicht selbstverständlich. Immer, wenn es den Politikern mal gerade passt, wird es angesprochen und eine baldige Besserung versprochen. Egal ob es sich dabei um den öffentlichen Zugang zu Ämtern und Behörden, für körperlich eingeschränkte Menschen, dem täglichen Fernsehprogramm, für Hörgeschädigte Menschen oder der Alltagsbewältigung Sehbehinderter Menschen dreht. Ein gutes Beispiel für Barrierefreiheit gab nun gestern der gemeinnützige Verein Wikimedia Deutschland, der u.a. auch das wohl größte und bekannteste Online-Lexikon Wikipedia betreibt, in einer Pressemitteilung bekannt. Im Rahmen eines Pilotprojektes sollen nämlich die “Artikel des Tages” auf Wikipedia für Blinde und Sehbehinderte vertont werden, um auch diesen Menschen einen weitgehend uneingeschränkten Zugang zum gesammelten Wissen zu ermöglichen.

Der gemeinnützige Verein Wikimedia Deutschland setzt sich bereits seit 2004 für die Förderung Freien Wissens ein und finanziert sich dabei ausschließlich aus Spendengeldern. Nach eigenen Angaben enthält das Lexikon, in der deutschsprachigen Ausgabe, derzeit weit über 1.100.000 Artikel und täglich würden die etwa 7000 registrierten Autoren rund 400 hinzufügen, verbessern oder erweitern.

Um nun den uneingeschränkten Zugang zu Freiem Wissen – den sich Wikipedia auf die Fahne geschrieben hat – auch für Menschen, die nichts oder nur schwer sehen können, zugänglich zu machen, sollen vorerst “nur” im Oktober dieses Jahres alle 31 “Artikel  des  Tages”, die täglich neu auf der Startseite von Wikipedia angezeigt und von der Wikipedia-Community als besonders “lesenswert” oder gar “exzellent” bewertet wurden, auf der Webseite zusätzlich im Audioformat bereitgestellt werden.

Zusammen mit der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig (DZB) – deren vordergründige Aufgabe es ist Literatur und Informationen in blinden- und sehbehindertengerechter Form zu erstellen und anzubieten – will man damit zunächst einmal in Erfahrung bringen, wie die Artikel der Online-Enzyklopädie am besten im Audioformat angeboten werden können. Auch will man das Projekt, in der Öffentlichkeit, bekannter machen und so für weitere Unterstützung werben.

“Über blinde und sehbehinderte Menschen hinaus erreichen wir damit auch Nutzer, die einfach Lust aufs Hören haben.”

So der Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland Pavel Richter. Zudem stünde, mit einer geplanten Hörbuch-Version, diese Möglichkeit auch jedem offen, der nicht über einen Internetzugang verfügt.

Bislang wurden schon mehr als 400 Artikel – in der Hauptsache von freiwilligen Mitarbeitern – mit teilweise einfachsten Mitteln eingesprochen. Durch die Zusammenarbeit mit dem DZB erhofft sich die Wikipedia eine zunehmende Professionalisierung dieses Anliegens.

Das nenne ich mal “ein gutes Beispiel” für Barrierefreiheit in der Gesellschaft und den Medien. Menschen mit Behinderung, sei es eine Seh- oder Hörschwäche werden von den Medien nämlich größteneils garnicht wahrgenommen und müssen zusehen, wie sie mit ihren eingeschränkten Möglichkeiten in der schnelllebigen Gesellschaft Schritt halten können. Hoffentlich macht dieses Projekt Schule und die Integration behinderter Menschen gehört bald zur Selbstverständlichkeit in Deutschland.

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1 Kommentar

  1. [...] des Online-Lexikons Wikipedia – die Möglichkeit an, ab Oktober dieses Jahres zunächst jeden “Artikel des Tages” auf der Website zu vertonen und somit auch Menschen mit einer Sehbehinderung weitgehend uneingeschränkt verfügbar zu machen. [...]

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