Schon seit Jahren fordern diverse Verbände der Musikindustrie mehr Kontrollmöglichkeiten und eine Verpflichtung von ProvidernW, Urheberrechtsverletzungen aufzuspüren und zu unterbinden. In Bezug auf die Debatte zur Netzneutralität, des Internet-Riesen Google wittert die US-Musikindustrie nun eine neue Möglichkeit, den Forderungen nach mehr Kontrolle im Internet Nachdruck zu verleihen.

Google hatte sich vor zwei Wochen, gemeinsam mit dem US-Netzbetreiber Verizon für die Aufrechterhaltung neutraler Netze ausgesprochen und dabei einen umstrittenen Vorschlag gemacht, wie das Ganze künftig gesetzlich geregelt werden könnte. So soll das Prinzip der Netzneutralität und damit der ungehinderte und gleichberechtigte Transport anfallender Daten, für das klassische Internet zwar erhalten bleiben, doch den Datentransport in Mobilfunknetzen sowie neuen, zukünftigen Diensten klammerte hiervon bewusst aus. So war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis auch andere Unternehmen, Branchen o.ä. auf diesen Zug aufspringen und ihrerseits versuchen die Netzneutralität, in der bisherigen Form in Frage zu stellen.

Ging es im Fall Google noch um den “rechtmäßigen” Datenverkehr, will die Musikindustrie die Diskussion auch auf den Umgang mit “gesetzwidrigen” Inhalten erweitern. In einem Brief an Google-Chef Eric Schmidt fordern Interessensvertreter, wie der US-Industrieverband RIAA (Recording Industry Association of America) und die Verwertungsgesellschaft ASCAP zwischem – ihrer Ansich nach – legalem und illegalem Datenverkehr zu unterscheiden.

“Die Musikgemeinschaft, die wir repräsentieren, hält es für lebenswichtig, dass jegliche Initiative für ein Internet-Regelwerk die Provider und andere Vermittler ermutigt und ermächtigt, Maßnahmen zu ergreifen zur Abschreckung unrechtmäßiger Aktivitäten wie Urheberrechtsverletzung und Kinderpornografie”

Genau diese Formulierung hat aber einen schlechten Beigeschmack. Setzt sie doch quasi Jugendliche, die sich die neuesten Filme, Spiele oder MP3-Songs gegenseitig im Internet zuspielen mit Kinderschändern, die Minderjährige quälen gleich.

Dieses Verhalten ist aber auch keine große Überraschung. Schon früher haben Interessensvertreter der Unterhaltungsindustrie mit ähnlichen Mitteln und schockierenden Vergleichen versucht, Politiker zu härteren Regulierungsmaßnahmen zu bewegen.

Für mich persönlich ist malwieder traurig zu sehen was das Geld mit Menschen anrichten kann. Winken irgendwo große Scheine, gibt es kein Gut und Böse mehr. Die Diskussion um Netzneutralität stellt für mich ein wunderbares Beispiel, in diesem Zusammenhang dar. Über das Einmischen der Unterhaltungs- bzw. Musikindustrie will ich dabei mal garkeine Worte verlieren, denn worum geht es, wenn sie die Regulierung des vermeintlich “illegalen” Datentransfers, nämlich bspw. das Tauschen kopierter Musik unterbinden wollen? Das ist für mich ja schon fast wieder ein Grund froh zu sein, mit dem Ganzen nicht mehr viel zu tun zu haben. Icon Wink in Netzneutralität: Musikbranche fordert Sperre für illegalen Datenverkehr

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