Gerade in den letzten Tagen kam dieses Thema wieder vermehrt zur Sprache, nachdem das Arbeitsgericht Stuttgart eine Klage einer Frau abwies, die als Ostdeutsche keine Stelle bei einer schwäbischen Firma bekam. Als sie ihre Bewerbungsunterlagen zurück bekam stand dort vermerkt: “Ossi”! Weshalb die Frau Klage wegen Diskriminierung einreichte.
Das Gericht entschied jedoch, dass dieser Vermerk zwar als diskriminierend verstanden werden könne, aber keine gesetzlich verbotene Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft bedeutet. > Im Zweifelsfall eben für den Angeklagten.“Unter ethnischer Herkunft ist mehr zu verstehen als nur regionale Herkunft” meinte der Richter.
Der Angeklagte Arbeitgeber entschuldigte sich damit, dass diese betriebsinterne Notiz, eigentlich nicht für den Bewerber bestimmt war und die Herkunft sei auch nicht der Grund für die Absage gewesen. Ausschlaggebend waren die mangelnde Qualifikation der Frau und angeblich wichtige Computerkenntnisse, die ihr fehlten. Zudem sei Ihr Anschreiben fehlerhaft gewesen, was ja meist keiner so schönen Eindruck hinterläßt.
Das der Arbeitgeber alles, was bei 3 nicht auf den Bäumen ist, mit Ausnahme der Herkunft als wahre Gründe anführt ist wohl nicht sonderlich überraschend. Traurig und beschämend ist die Situation als solche. Die Frau lebt seit 1988 in Stuttgart, also sogar noch länger als die Grenze geöffnet ist. Doch nur weil sie in Ost-Berlin geboren ist, läßt die Firma solche Dinger gucken.
Nach Aussagen des Anwalts der Frau, werde sie möglicherweise Berufung vor dem Landesarbeitsgericht einlegen. Es würde mich ja schon mal riesig Überraschen, wenn dabei ein anderes Ergebnis heraus kommt.
Sehr zur Freude der Frau setzt das Gericht auch nochmal einen drauf und entscheidet, dass sie die Gerichtskosten tragen muss. Lobenswert finde ich jedoch dass die Antidiskriminierungs-Beauftragte des Bundes, Christine Lüders, die Klage unterstützte, die im Zusammenhang mit diesem Fall (Herkunft) auch Probleme bei bspw. Bewerbungen von ausländischen Arbeitern sieht.
Nach einer eigenen kleinen, jedoch bei weitem nicht repräsentativen Umfrage im Internet, kam ich überwiegend zu dem Ergebnis, dass die Meinung und Trennung zwischen Ost und West bei diesem Arbeitgeber mehr die Ausnahme, als die Regel ist. Ganz allgemein denke ich stecken zuviel Müll und Vorurteile über den jeweils anderen in den Köpfen der Menschen.
Ganz einfaches Beispiel: frag einen “Wessi” nach der ehemaligen DDR. Was kommt? Als erstes: Sachsen und der doch selbst für den hartgesottensten “Ossi” doch recht anstrengende, leicht quietschende Dialekt. Sachsen ist aber z.B. nur ein kleiner Teil der gesamten ehemaligen DDR und die Menschen dort sind selbst durch den Dialekt keine Unmenschen, zurückgeblieben, oder was man sonst so hört. (Bin übrigens kein Sachse, nicht das der Eindruck entsteht ![]()
Anders herum: frag einen “Ausländer” nach Deutschland oder auch teilweise einen “Ossi” nach Westdeutschland. Was kommt? Als erstes verbinden die Leute mit Deutschland: Bayern! Weisswurscht essen mit ner zünftigen Brezen und ner Moaß Woißbier nem feschen Moädel hinterherschaun’ usw. natürlich traditionell in zünftigen Lederhosn’. Ist das allerdings das Bild von Deutschland? Besteht es wirklich in der Hauptsache aus Weißbier, Semmel und Weißwurst? Ich glaube nicht!
In meiner Umfrage kam ich überwiegend zu dem Ergebnis das sich viele von den alten Vorurteilen, der jeweils anderen Partei, gelöst haben und für sie dieses Thema keine Rolle mehr spielt. Jedoch scheint mir auch, gerade in der heutigen Jugend dieses Thema noch viel diskutiert zu werden. Zumindest wenn man sie darauf anspricht. Dann ist die eigene Herkunft natürlich die bessere… “Bei uns in… ist das Bier viel besser als im Osten.” Im Osten wird jedoch sehr gerne die ehem. DDR als große Sportnation angeführt, die sicher auch ein Grund zum stolz sein ist (ich spare mir jetzt Beispiele und Namen Ostdeutscher Top-Athleten) aber wie kommt sowas in die Köpfe von Leuten die erst nach der Wende geboren wurden und von all dem Gerede, Getöse usw. keinen Blassen Schimmer haben können?
Aus meiner Sicht ist das auch schon fast das Hauptproblem, was die Möglichkeit, das dieses denken eines Tages mal aus den Köpfen der Menschen verschwindet, immer kleiner und kleiner und … werden läßt. Schade ist es aufjedenfall. Nun sind wir schon 20 Jahre wiedervereint und es kommen vielleicht noch 1, 2 oder 100 Jahre dazu.

Aufruf zur friedlichen Demonstration gegen Scheinurteile vor den Gerichten der Landeshauptstadt Kiel – Am 26.Mai 2010 – 9.00 – 13.00 Uhr – Bitte weiterleiten !
Mehr im Blog der Ringvorsorge ….